Néle Azevedo

Néle Azevedo bei Article | 10

Néle Azevedos Minimum Monument befindet sich im Dialog mit der langen Tradition des Denkmals: eine Sehenswürdigkeit, dazu geschaffen, durch die Geschichte etwas im Stadtraum zu verewigen. Allerdings kehrt Néle Azevedo die Richtung der dieser Tradition innewohnenden Erhöhung um und arbeitet in den Registern von Prekärem und Unbeständigem.
Dieser Weg impliziert die Akzeptanz der Tatsache, dass die heutige Erfahrung immer unvollständig und nicht mehr ewig ist. Ihre winzigen Eisskulpturen, die in zahlreiche Städte in der ganzen Welt reisen, treten an »erhabenen« städtischen Orten auf und fordern entschieden zur Reflektion über den Riss und die Endlichkeit auf, die die Lebenszeit und der Ort des Einzelnen in der Masse unter dem Gewicht der Geschichte sind.
Ihre Skulpturen scheinen Gebilde zu sein, denen die tägliche Bewegung der Menschen ebenso gleichgültig ist wie der gewöhnliche Reiz von Werbung im Stadtraum oder bezaubernde Landschaften. Daher vermitteln diese Skulpturen in ihrer kalten Ablehnung der Welt den erstaunlichen Eindruck, sie seien zu einem gewissen Grad realer als Menschen.
Einerseits sind Menschen nicht lichtdurchlässig, also verschwinden sie im Gegenlicht. Andererseits wächst in den Eiskörpern der Skulpturen, konzentriert auf ihr kristallines Inneres, kontinuierlich eine weiße und verschwommene Wolke, wie ein Rückgrat, das aufsteigt, während ihr äußerer Körper verzehrt wird. Könnte es eine bessere visuelle Übersetzung der immateriellen Idee der Seele geben?
Dies liegt der Arbeit dieser Künstlerin zugrunde: der Tod als Ritual und Trauer als Transzendenz; das ist die Möglichkeit der Fortsetzung des Lebens. Und hier nun lässt sich ein Bogen schlagen zum Begriff des Denkmals oder Monuments, dessen historische Wurzeln sich auf das Heilige und Beisetzungsrituale zurückverfolgen lassen – Gräber und Tempel. Ihre Monumente allerdings sind Minimum. Also geht es bei der Bewegung, die ihre Arbeit begründet, weniger um die Notwendigkeit, ein kollektives Gedächtnis weiterzuführen, sondern um die vergängliche individuelle Erfahrung der reinen Präsenz in einem nicht wiederholbaren Augenblick als einem Opfermoment.
Text: Guilherme Wisnik








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Die 17. Station von ZNE! wird am Mittwoch den 18. April um 18:00 in Bonn eröffnet.

Ausstellungsort:
Ehemalige Volkshochschule
Kasernenstraße 50
53111 Bonn

Laufzeit: 19.4.-10.6.2018

Partner:
#17Ziele, ein Projekt von Engagement Global
und Deutsches Institut für Entwicklungspolitik in Zusammenarbeit mit SDSN Germany

Gefördert durch:
Fonds Nachhaltigkeitskultur des Rats für Nachhaltige Entwicklung

Ein Beitrag zu den Deutschen Aktionstagen für Nachhaltigkeit 2018 und die Europäische Nachhaltigkeitswoche 2018.

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Bilder von ZNE! 2017 im Parque Cultural de Valparaiso, Chile hier .

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17. Ausstellungsstation Bonn 2018

Mit herzlichen Dank auch an die Deutsche Telekom AG, Beethovenstiftung Bonn, Kunsthistorisches Institut der Universität Bonn und Kunstmuseum Bonn.