Rebecca Raue – ablegen und ankommen

Boote reisen oft durch meine Bilder. Sie faszinieren mich, weil sie einen Raum kreieren, einen Ich-Raum. Ein Boot auf dem Meer. Ein Mensch in einem Boot. Vielleicht allein. Rundherum Wasser. Das Boot ist ein Transport- mittel, ein Schutzraum, ein Zuhause vielleicht. Man kann ein Boot steuern, die Segel setzen. Dennoch ist das Boot dem Meer und dem Wind ausgesetzt. Man kann auch aus Papier Boote bauen. Um zu spielen. Um von Weite zu träumen.

2014 hat das Boot für uns alle eine ganz andere, gar nicht spielerische, Wirklichkeit bekommen. Menschen sind auf Boote gestiegen, um aus ihrer Realität in eine andere, vermeintlich bessere Welt zu fliehen. Viele, viele sind gestorben und auch jetzt gerade, während ich diese Zeilen schreibe, befinden sich viele in großer Not. Die Dramen, die sich auf der Flucht von Krieg und Angst abspielen, sind trotz der umfangreichen Berichterstattung kaum vor- stellbar. Manche Bilder sind so hart und überfordernd, dass es ein natürlicher und nachvollziehbarer Reflex ist, sich ihnen zu verschließen, kalt zu werden.
Nur wenn sich das Äußere im Inneren spiegelt berührt es im Hier und Jetzt. Ohne fremd und somit überfordernd zu sein.
Die Boote in der Installation »ablegen und ankommen« wurden aus MDF- Platten gebaut. Von Afrikanern, die mit ähnlich einfach gebauten Booten übers Mittelmeer nach Lampedusa und schließlich nach Berlin gekommen sind. Viele andere sind auf der Überfahrt ertrunken, das Meer hat sie verschluckt.
Die Struktur der Boote ist dem klassischen Papierschiffchen nachempfun- den. Sie assoziieren Leichtigkeit und sind doch schwer. Sie assoziieren Wasser und haben doch Rollen, um im Raum bewegt und bespielt werden zu können. Sie sind so gebaut, dass sich Menschen hineinsetzen und im Boot sitzend von jemandem der schiebt oder zieht bewegt werden können. Sie laden ein zur Interaktion. Die Segel der Boote sind ganz spartanisch zusammengenäht aus getragenen Herrenhemden. Auch sie haben eine Geschichte. Und sie verweisen auf das menschliche Schicksal. Die Boote heißen die Betrachter willkommen. Sie sind nicht bedrohlich. Und doch tragen sie Geschichten von Flucht und Angst in sich. Leid und Freude sind universal. Um nachhaltig agieren zu kön- nen müssen wir einen persönlichen Bezug zu dem Geschehen um uns herum finden. Das Politische muss privat werden, damit wir trotz aller Härte mit der Realität eine persönliche Beziehung etablieren und uns als Folge daraus auch wirklich einbringen können.
Meine Räume sollen Menschen dazu anregen, sich mit ihren Innen- räumen auseinander zu setzen. Ich fordere auf zu mehr Berührbarkeit. Ich glaube an die Qualität des Sich-Zeigen-Könnens. Dazu brauchen wir geschüt- zte und doch öffentliche Räume. Wir müssen aufeinander aufpassen, einander zuhören, einander sehen. Menschen, die jetzt für diejenigen, die zu uns kom- men, da sind, steigen mit in das Boot. Sie bieten sich an, um den Schmerz zu teilen, um ihn mitzutragen. Sie lassen sich ein auf eine gemeinsame Reise, die uns alle verändern wird. Sich im Innen berühren zu lassen und gleich- zeitig die Freude der Verbundenheit zu spüren, ist eine bewegende Erfahrung. In diesem Erleben liegt ein große Chance.
Denn wenn immer mehr Menschen die Sehnsucht nach tiefer Sinnhaftig- keit in ihrem Handeln, Denken und Sein verspüren, brechen alte Hierarchien weg. Wir agieren dann gemeinsam, unterstützend. Und uns wird bewusst, dass wir letztendlich alle miteinander verbunden sind.

Die Boote sind entstanden in Zusammenarbeit mit Cucula. www.cucula.org








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Die 16. Ausstellungsstation von ZNE! in Valparaíso ist vom chilenischen Kreis der Kunstkritiker*innen zur besten Internationalen Ausstellung des Jahres 2017 in Chile gekürt worden.

Diese Station wurde vom 10.6.17 – 12.8.17 im Parque Cultural de Valparaíso gezeigt und ermöglicht von Heinrich Böll Stiftung Cono Sur, Institute for Advanced Sustainability Studies IASS, Potsdam und Goethe-Institute Chile.

ZNE! dankt allen Künstler*innen, Partner*innen, Techniker*innen und Helfer*innen, die das hier möglich gemacht haben.

Hier geht es zu den Fotos der Ausstellung.


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Stimmen für einen Fonds Ästhetik und Nachhaltigkeit als Forderung an Bundesregierung und Bundestag u.a. von Prof. Dr. Klaus Töpfer, Prof. Dr. Gesine Schwan, Prof. Dr. Patrizia Nanz, Olafur Eliasson, Dr. Wilhelm Krull, Dr. Michael Otto und Amelie Deuflhard.


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