Fonds für Ästhetik und Nachhaltigkeit

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STIMMEN ZUM FÄN
Stand 21. März 2017


Prof. Dr. Klaus Töpfer | Umwelt- u. Bauminister a.D | Exekutivdirektor der UNEP | Gründungsdirektor IASS

Die ästhetische Dimension, also der Bereich von Ein- und Ausdruck, ist für den Einzelnen zentral, um sich in einer Gesellschaft zu situieren – sei es in der Abgrenzung, in der Zugehörigkeit, im Protest oder in der Teilhabe. Die Vielfalt von Eindruck und Ausdruck, die Vielfalt des symbolischen Raums unserer kulturellen Praktiken, wird von den Anforderungen großer gesellschaftlicher Teilsysteme wie Wirtschaft oder Politik oft an den Rand gedrückt oder zum Schweigen gebracht. Damit verstopfen wir nicht nur Quellen der Erneuerungskraft und des Lernens, derer wir im Zuge der vor uns liegenden Umbrüche dringend bedürfen. Wir bringen uns vielleicht auch um einen der wichtigsten, die gesellschaftlichen Teilbereiche übergreifenden Kommunikations- und Kooperationsraum. Gerade Kunst, so ‚einsam‘ sie bisweilen entsteht, ist oftmals ein Bezugspunkt für gemeinschaftlichen Diskurs, der wiederum gemeinschaftliches Handeln erst ermöglicht. Sie mit den Anliegen des Respekts vor planetaren Grenzen, der Gerechtigkeit und der Rücksichtnahme auf kommendes Menschheitsleben – mit denen sie es von Hause aus sowieso oft zu tun hat –, kurz: mit Nachhaltigkeit systematisch in Verbindung zu bringen: dies halte ich für eine sehr gute Idee. Eine entsprechende Förderstruktur, wie Adrienne Goehler sie anvisiert, würde diesen Anliegen ganz sicher zu größerer gesellschaftlicher Resonanz verhelfen.


Prof. Dr. Günther Bachmann | Generalsekretär Rat für Nachhaltige Entwicklung

Aus Sicht des Rates für nachhaltige Entwicklung ist es erfreulich zu erfahren, dass Sie der Vernutzung des Begriffs "Nachhaltigkeit" entgegenwirken möchten. Wir sehen selbst oft, wie leichtfertig der Begriff verwendet wird, ohne deren Inhalt genau zu definieren oder einzuhalten. Wir begrüßen die Verbindung von Kultur und individuellem Veränderungswillen mit Aspekten der Nachhaltigkeit. Dass sich der Mensch mit der Gestaltung seines Lebens auseinandersetzt und dies sowohl im globalen Bereich des Ressourcenschutzes wie auch in jedem einzelnen Haushalt in Formeines nachhaltigen Warenkorbs, liegt in unserem Interesse.
Künstler können einen Beitrag zur Interdisziplinarität der Nachhaltigkeit leisten und das Thema in weitere gesellschaftliche und thematische Bereiche transportieren. Auch ihre Funktion, den Begriff der Nachhaltigkeit lebhaft und greifbar zu machen, finden wir wichtig. Ein Fonds zur Unterstützung von kulturellen und künstlerischen Projekten zur Nachhaltigkeit wäre sicherlich wichtig, um die Diskussion um Nachhaltigkeit voranzubringen.


Christa Müller | Stiftungsgemeinschaft anstiftung & ertomis

An der Schnittstelle von Ästhetik und Nachhaltigkeit werden immer mehr zivilgesellschaftliche Aktivitäten sichtbar, auch aus künstlerischen Milieus, die sich zunehmend für Natur interessieren, die das Selbermachen als neuen Freiraum für Community und Autonomie entdecken, die sich nichts mehr vorschreiben lassen wollen, weder die Stadtplanung noch die Bauanleitung für die Dinge des alltäglichen Bedarfs. Die Akteure verbinden dabei politische, ökologische, ethische und künstlerisch ästhetische Ansprüche, die sich als Widerstand zum herrschenden Neoliberalismus verstehen lassen. Um sie zu unterstützen, ist ein Fonds für Ästhetik und Nachhaltigkeit genau das Richtige!


Prof. Dr. Reinhard Loske | Professor für Politik, Nachhaltigkeit und Transformationsdynamik | Senator für Umwelt und Stadtentwicklung a.D.

Die Nachhaltigkeitsdebatte krankt oft daran, dass sie entweder abstrakt bleibt oder im bloßen Empirismus landet, wo es von Reduktionszielen und Effizienzindikatoren nur so wimmelt. Es geht aber nicht nur um Zahlen, sondern vor allem um ein Lebensgefühl, in dem Ethik und Ästhetik eine ebenso große Rolle spielen wie Politik und Technologie.


Jakub Szczęsny | Künstler | Polen

According to the thesis made by organisers of European Congress of Culture last september in Wrocław, interdisciplinary practice becomes increasingly popular among artists because new media, in particular internet, offer access to territories of knowledge previously unreachable for "outsiders". The only trouble is the lack of interest, or trust, from part of scientific milieus, leading to obstructions, not only in potential partnerships, but most of all in basic information sharing. From my point of view, being the one of an architect used to work in interdisciplinary teams with mostly engineers, informations and worldvisions coming from extra-architectural domains and researchers are not just mind-opening and enriching, but simply mandatory.
The above mentioned obstructions could be due to:
a. certain segregation of interests and therefore of milieus, to be observed among different groups of inteligentsia, thus probably to much smaller degree, than it was in the past
b. communication inability related to different meta-languages and sets of intra-professional references used by these groups
c. stereotypes on "crazy artists" and "nerdy scientists"
Surprisingly, without counting cooperations based on private relationships, bounding elements might come from the outside; being shared community interests, such ecology, politics and economy related issues and, even more surprisingly, ADVENTURE of sharing a mind game or an experiment. In my case adventure is the main motivation to search for help from scientists and engineers. Adventure and necessity are vehicles of change, whatever the place and social context. I strongly believe positive changes are possible through punctual actions, but real adventure requires consistent, long term methodology of cooperation between daring people from different fields acting on the same platform. Could we ever build one? I hope so!.


Dr. Wilhelm Krull | Generalsekretär der Volkswagenstiftung | Vorstandsvorsitzender Bundesverband Deutscher Stiftungen

vielen Dank für die mir übersandten Materialien zu Ihrem Ausstellungsvorhaben und insbesondere auch zu dem von Ihnen geplanten Fonds für Ästhetik und Nachhaltigkeit. .... Ich teile Ihre Ein-schätzung, dass die kulturelle Dimension nachhaltigen Denkens und Handelns bislang weitgehend vernachlässigt worden ist. Wir sind in der Tat noch weit entfernt von einer gesellschaftlichen Praxis, "die die Künste als Akteurinnen von Nachhaltigkeit begreift". Um die von Ihnen formulierten Ziele zu erreichen, wäre es in der Tat wünschenswert, dass insbesondere deutsche Umweltstiftungen das bisherige Spektrum ihrer Aktivitäten um die ästhetische Dimension erweiterten. Auch könnte ich mir eine ganze Reihe konkreter Projektpartnerschaften vorstellen. An rechtliche Machbarkeitsgrenzen stößt freilich Ihr Vorschlag, dass Stiftungen in den Kapitalstock des Fonds für Ästhetik und Nachhaltigkeit einzahlen sollten. Dies ist derzeit nur möglich, indem Stiftungen aus ihrem eigenen Kapital Geld abzweigen. Dies wird jedoch – nicht zuletzt mit Blick auf die reale Kapitalerhaltung - kaum eine Stiftung tun. Der Bundesverband Deutscher Stiftungen setzt sich deshalb bereits seit geraumer Zeit gegenüber der Politik dafür ein, das faktische Endowmentverbot aufzuheben und damit insgesamt zu nach-haltigerer Förderung, beispielsweise von Stiftungsprofessuren und neu zu gründenden Institutionen, beizutragen. Wir geben die Hoffnung nicht auf, dass wir auf mittlere Sicht die Politik überzeugen können, unseren Vorschlägen zu folgen (statt in der Kapitalbereitstellung lediglich eine "Ausschüttungsverzögerung" zu sehen).


Dr. Michael Otto | Aufsichtsratsvorsitz Otto Group | Michael Otto Stiftung für Umweltschutz

... freue ich mich, in Form dieses kurzen Statements wenigstens als "Fern-Teilnehmer" meine Stimme in die Diskussion einfließen lassen zu können. Denn es geht um zwei Dinge, die mir beide persönlich sehr am Herzen liegen. Es geht um Kunst, und es geht um den nachhaltigen,verantwortungsvollen Umgang mit den natürlichen Lebensgrundlagen dieser Welt. Aber mehr noch: Es geht um die lange überfällige Zusammenführung dieser beiden Bereiche, die ich sehr begrüße. Denn wir alle wissen, wie schwierig es ist, das komplexe, abstrakte Thema Nachhaltigkeit begreiflich zu machen. Dabei liegt die Lösung gewiss nicht in der Menge der Informationen, die wir zur Verfügung haben. Wir stehen eigentlich vor drei Herausforderungen. Erstens: Dienachhaltigkeitsrelevanten Zusammenhänge in unserer Welt zu verstehen. Zweitens: Die eigenen Handlungsoptionen vor diesem Hintergrund zu erkennen. Und drittens (das ist die wohl größte Herausforderung): Tatsächlich auch entsprechend unserer Handlungsmöglichkeiten zu handeln! Bei allen drei Herausforderungen können die kreativen Herangehensweisen der Künstler, wenn sie denn das Thema richtig durchdrungen haben, einen maßgeblichen Beitrag leisten. Sie können erstens die vielen Fragen und Facetten, die mit dem Thema Nachhaltigkeit zusammen hängen, veranschaulichen und konkret erfahrbar machen. Sie können zweitens Wege aufzeigen, Lösungsszenarien und Identifikationsmuster schaffen. Drittens können sie schließlich Betroffenheit und Bewunderung auslösen, uns inspirieren, Handlungsimpulse geben und unsere Herzen erreichen. In einem Wort: Sie können uns den Weg vom Wissen zum Handeln weisen.Hierin liegt die große Chance, die ich in der Verbindung von Ästhetik und Nachhaltigkeit sehe.


Prof. Jan R. Krause | Leiter Unternehmenskommunikation und Eternit Akademie Eternit AG, Berlin | Heidelberg

Einen Fonds für Ästhetik und Nachhaltigkeit einzurichten, ist ein intelligentes und förderungs-würdiges Vorhaben. Als Traditionsunternehmen und führender Hersteller umweltverträglicher Bauprodukte in Deutschland wissen wir: Wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftliche Entwicklung sind langfristig nur in Verbindung mit einer intakten Umwelt möglich. Dieser Umweltgedanke weist weit über rein ökologische Aspekte hinaus. Es geht um die Balance aus ökonomischen, ökologischen und soziokulturellen Faktoren. Deshalb engagieren wir uns seit Jahrzehnten in sozialen Projekten, fördern künstlerische Initiativen und haben mit der Eternit Akademie eine eigene Bildungseinrichtung ins Leben gerufen. Die besten Ideen im Sinne wahrer Nachhaltigkeit entstehen dabei immer im interdisziplinären Dialog. Ein Fonds, der interdisziplinäre Ansätze in Kunst, Architektur und Wissenschaft fördert, die zur Debatte über Nachhaltigkeit und Ästhetik beitragen, ist eine nachhaltige Bereicherung in der deutschen Kulturlandschaft.


Prof. Dr. Sonja Beeck | Gastprofessorin Universität Kassel | Leiterin des Prae-IBA-Teams Berlin 2020 | Projektleiterin IBA Stadtumbau 2010

Kunst ohne Wissenschaft ist blind, Wissenschaft ohne Kunst ist leer. Ästhetik ohne Nachhaltigkeit ist leer, Nachhaltigkeit ohne Ästhetik ist blind. Um Nachhaltigkeit auf Dauer zu einem Teil unseres Lebens zu machen, bedarf es einer angemessenen Sprache der Dinge, einer Ästhetik. Was liegt da näher, als sich genau um diese nachhaltige Sprache der Ästhetik intensiv zu sorgen? Ästhetik ist kein nettes Anhängsel von technischen Neuerungen, die sich auch langsam erbarmt haben, sich ein wenig zu artikulieren. Das ästhetische Erscheinen der Dinge des Lebens ist ihre nachhaltige Bedeutung, die sie für unser Alltagsleben haben. Was liegt da näher als, sich genau um diese Berührungspunkte intensiv zu sorgen? Kultur, Bildung, Wissenschaft: Es ist egal, von welcher Seite wir starten. Sie gehören zusammen, weil Wissenschaft ohne Kunst sprachlos bleibt und Kunst ohne Wissenschaft substanzlos. Beides gehört zur Nachhaltigkeit. Es macht auch keinen Unterschied, ob wir an technischen Neuerungen oder urbanen Zusammenhängen arbeiten. Das Prinzip bleibt.


Dr. Gerd Rosenkranz | ehemals Pressesprecher Deutsche Umwelthilfe e. V. | DUH

Fonds Ästhetik und Nachhaltigkeit. Warum brauchen wir so etwas? Weil sich der Nachhaltig-keitsdiskurs, wie wir ihn kennen, im Kreis dreht. Solange sich die Nachhaltigkeitsdebatte im fachdisziplinären Raum bewegt, dient sie häufig entweder der Ablenkung von notwendigen Veränderungen ("nachhaltiges Wachstum") oder sie wird eingemeindet in den ganz allgegenwärtigen machtstrategischen Diskurs über Bewahren und Verändern (z. B. aktuell in der Energiepolitik: "neue Kohlekraftwerke für Versorgungssicherheit"). Letztlich geht es dann um die ernste Frage, wer gewinnt, wer verliert auf dem Weg zu einer Nachhaltigkeit, die den Namen verdient, die sich also dreht um das Überleben des Menschen auf dem Planeten Erde. Sobald sich die Nachhaltigkeitsdebatte jedoch aus dem Korsett der Fachdisziplinen befreit, dominieren voluntaristische Kategorien. Sie geht dann um Lebensstile, um Suffizienz, das gute Leben und ähnlich wolkige Kategorien. Unterstellt, dass es sich nicht um Ablenkungsmanöver handelt – in der Umweltdebatte wird die Lebensstildiskussion häufig dann entfacht, wenn andernfalls schmerzhaft veränderte gesetzliche Rahmenbedingen drohen, die möglicherweise ihrerseits eine notwendige Voraussetzung darstellen für die Veränderung von Lebensstilen – wenn also ernsthaft andere Lebensstile vorgeschlagen werden, dann geht es rasch um Verzicht und Askese. An diesem Punkt kann möglicherweise ein tieferes und das heißt interdisziplinäres Nachdenken über die Rolle des Menschen auf der Erde, also über Kultur und über Kunst als ihre herausgehobene Ausdrucksform, helfen. So verstehe ich die Idee eines Fonds Ästhetik und Nachhaltigkeit. Setzt Nachhaltigkeit für neun Milliarden Menschen auf der Erde des Jahres 2050 nicht in Wahrheit eine grundlegend gewandelte Idee voraus, mit den Naturschranken umzugehen? Gefragt wäre dann eine Kultur, die veränderte Lebensstile einerseits erst ermöglicht und andererseits auch ihr Ergebnis sein kann. Ein Henne-Ei-Problem, hoffentlich kein unausweichliches. Konkreter: Die Überlebenschancen der Erde, wie wir sie kennen, und der Menschen auf ihr, steigen rasant, wenn die wachsenden globalen Mittelschichten mit ihren heutigen technologischen Möglichkeiten auf einen weniger materiell entgrenzten Lebensstil einschwenken. Ergäbe sich aus einem Leben in Wohlstand, das mit einem Viertel oder einem Zehntel des heutigen Stoffumsatzes auskommt, nicht automatisch ein mehr ästhetischer Lebensstil? Weil die Bewegung des Läufers, wie die des dahingleitenden Radfahrers mehr Ästhetik verkörpert als die des Fahrers im Ledersessel, hinterm Steuer eines tonnenschweren SUV, der sich mit einer winzigen Bewegung des Fußgelenkes zur potenziell tödlichen Waffe wandelt? Jedenfalls scheint es schon auf den ersten Blick lohnend, Ästhetik und Nachhaltigkeit zusammen zu denken. Nur schafft das bisher (fast) niemand. Die Umweltbewegung noch weniger als die Kunst.Das liegt nicht nur, aber auch daran, dass niemand einen "Topf" hat für so was. Oder vielleicht doch? Dem Energie- und Klimafonds der Bundesregierung sollen ab 2013, gespeist aus den Erlösen bei der Versteigerung von Klimagaszertifikaten, über drei Milliarden Euro zufließen. Jedes Jahr. Für den Start eines Fonds für Ästhetik und Nachhaltigkeit würde eine winzige Krume vom Kuchen genügen.


Johannes Heimrath | The Club of Budapest International

Der Vorschlag ist ein essenzieller Ansatz, Kunst in ihre eigentliche soziale Aufgabe zurückzuführen! Aus meiner Sicht müssten aber weitere Felder in die Zielstellung einbezogen werden, die in der Debatte um eine friedliche Kultur der Nachhaltigkeit meist ausgeklammert bleiben: Sicherheit, Nuklear- und Raketentechnik, Sicherstellung kluger, d.h. «enkeltauglicher» Entscheidungen bei größtmöglicher Teilhabe. Derartiges klingt im Papier zwar an, sollte aber deutlicher beim Namen genannt werden. Zwei Beispiele: Wie kann die «Kulturgesellschaft» (A. Goehler) ihre innere Sicherheit auf eine lebensfördernde Weise gewährleisten? Anders gefragt: Ist eine lebensfördernde, kulturkreative Polizei vorstellbar, die die Rechte von Mensch und Natur vor Gewaltausübung durch nicht-lebensfördernde Kräfte
schützt? Wie kann diese herangebildet werden? Eine «Post-Kollaps-Gesellschaft» (J. Heimrath) dürfte kaum nur aus begeisterten Menschen und Naturfreunden bestehen, die nichts lieber tun als mittels Konsumverzicht ihren ökologischen Fußabdruck auf unter 1 zu senken. Wie können wir sicherstellen, dass es bald genügend «grüne» Ingenieurinnen und Ingenieure und noch mehr begeisterte Bergarbeiterinnen und Bergarbeiter gibt, die mittels lebensfördernder Technologie in der Lage sind, z.B. Kernkraftwerke zu demontieren und den radioaktiven Müll sicher zu entsorgen oder mit den dann noch vorhandenen Mitteln z.B. die wichtigsten Forschungs- und Kommunikationssatelliten intakt zu halten (dafür braucht es u.a. jede Menge Erze), die wir bei mehr als 7 Milliarden Menschen auch in einer Post-Kollaps-Kulturgesellschaft benötigen, um unsere Pflicht als Hüter der Biosphäre erfüllen zu können? Diese Fragen kommen bisher mit den Mitteln der Kunst im kulturkreativen Kontext überwiegend in ihren abschreckenden Aspekten und im modernistisch-materialistischen Kontext in einer heroisierenden Science-Fiction-Illusion zum Ausdruck. Sie gehören aber in den Fokus unserer Aufmerksamkeit.


HMJokinen | bildende Künstlerin | Kuratorin, Hamburg | Tansania | Ghana

Wie Sie in Ihrem Projektvorschlag schreiben, basieren Projekte für Kulturen der Nachhaltigkeit u.a. auf einem Dialog zwischen Religionen und Themen wie Friedensstiftung, Ethnizität, und Gender, aber auch Katastrophenhilfe. Ich würde allerdings noch ein weiteres wesentliches thematisches Feld hinzufügen: postkoloniale Perspektiven und Kunst. Afrika ist unser Nachbar, und Panafrikanismus ist ein zentrales Thema für die Befreiungsbewegungen in afrikanischen Ländern und der europäischen Diaspora. Man kann also Netzwerke zwischen ganzen Kontinenten aufbauen. Zudem ist auch die Architektur, der gebaute Raum unserer europäischen Städte voller Zeichen des Kolonialismus, und zwar altem wie auch neuem. Wir können lernen, wie man sie liest und interpretiert, und wie man kritisch über unsere ambivalente europäische Rolle und Identität in der Welt während der letzten 500 Jahre reflektiert. Aber wie Künstler/innen und Aktivist/innen feststellen mussten, sind europäische Regierungen nicht an einer postkolonialen Politik interessiert, sondern vielmehr daran, Lobbyarbeit für transnationale Konzerne zu machen, die Ressourcen ausbeuten und natürliche wie auch visuelle Umwelten in anderen Kontinenten verschmutzen. Ohne postkoloniale Erinnerungskulturen an die frühe Globalisierung, ohne Reflektion und Beseitigung von neokolonialen Strukturen kann keine Nachhaltigkeit geschaffen werden. Wir brauchen partizipatorische Kunstwerke im Stadtraum. Wir benötigen Netzwerke zwischen Diasporen, Mehrheitsgesellschaften und Kunstprojekten, an denen afrikanische, asiatische, amerikanische und europäische Künstler/innen beteiligt sind. Künstlerische und postkoloniale Projekte zwischen der Kolonialmetropole Hamburg und Tansania und Ghana haben bereits stattgefunden.


Prof. Dr. Patrizia Nanz | Wissenschaftliche Direktorin IASS | Potsdam

Auf "das Jahr der Nachhaltigkeit 2015" mit dem Pariser Klimaabkommen und der Verabschiedung der Sustainable Development Goals (SDGs) – beides zusammen ein greifbar werdender globaler "Gesellschaftsvertrag" für und in Nachhaltigkeit – folgen im Jahr darauf der Realitätscheck und Ernüchterungen in vermeintlich gleicher Intensität. Populismus und das Postfaktische, um die Problembeschreibung oberhalb der Einzelphänomene anzusiedeln, sind fundamentale Herausforderungen für jede Nachhaltigkeitsagenda. Nachhaltigkeit ist eine Agenda des Wandels – und sie trägt damit immer die Herausforderung der Verpflichtung auf eine zumindest teilweise offene Zukunft an uns heran, die keine einfachen Rezepte zulässt. Und sie muss wissensbasiert sein, weil sie im komplexen Abwägen, Verwerfen, Neu-Denkendie treffende Problembeschreibung (kollektiv) herausschält und Lösungsangebote (nur kollektiv) erarbeiten muss. Jetzt muss und wird sich zeigen, ob der Erfolg der Nachhaltigkeitspolitik der vergangenen circa 30 Jahre tatsächlich belegen kann, dass sie keine Schönwetter- und auch keine rein normative Politik ist. Nachhaltigkeit schafft Handlungsoptionen: ökonomisch, soziale und sie fußt auf einer ökologischen Basis, die sich immer mehr in eine quasi "Ich-und-Du-Beziehung" mit uns Menschen transformiert. Weil aber auch die bestmögliche Nachhaltigkeitspolitik und –wissenschaft nicht alle “Sprachen“ sprechen kann – müssen sie doch entscheiden und verdichten, für einen nicht zur Gänze dem Lauf der Dinge anheim stellbaren Wandel hin zur Nachhaltigkeit allemal –, müssen diese Protagonisten der Nachhaltigkeitsagenda aus sich heraus Kooperationen mit weiteren Sinn- und Bedeutungszusammenhänge stiftenden und heraus-fordernden Partnern öffnen. Der Fonds für Ästhetik und Nachhaltigkeit wäre eine herausragende und weit voraus-denkende Einrichtung, um Chancen zu erschließen, um sprechfähig(er) zu werden, wo uns die Sprache versagt und | oder in einem eingeengten Sprachhorizont von Analyse und Umsetzung nicht verfügbar ist. Ein solcher Fonds für Ästhetik und Nachhaltigkeit“ scheint mir aber noch eine weitere ganz wesentliche Versicherung auf die Zukunft in sich zu bergen: in ihren auf Diversität und bisweilen Unvergleichbarkeit beruhenden universalistischen Dimensionen kann Ästhetik im interkulturellen Zusammenspiel uns aus dem sogenannten "Westen" auch dabei helfen, die universelle Reichweite von Nachhaltigkeit zu erfahren. Sie kann jene Beiträge zur Nachhaltigkeitsagenda gleichsam ex nihilo erschaffen, deren bisherige Nichterschließung durch unsere mehr oder weniger erfolgreiche Nachhaltigkeitspolitik und –wissenschaft uns den Ausgang aus unseren eigenen Denk- und Handlungsblockaden (noch) nicht finden lässt.


Michael Müller | Staatssekretär a.D. | Mitglied der Enquetekommission "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität" | Bundesvorsitzender NaturFreunde Deutschlands

Der Widerspruch zwischen unserem Wissen über die Zukunftsgefahren und unserem Handeln ist organisierte Verantwortungslosigkeit. Ohne eine Kulturwende, zu der wir neue Anstöße und eine offene Kreativität brauchen, ist Nachhaltigkeit nicht zu erreichen. Nachhaltigkeit bleibt ein inhaltsleeres Plastikwort, wenn es nicht zu einer Kulturrevolution kommt.


Christel Schröder | Gabriel Schwaderer | EuroNatur | Prof. Dr. Hubert Weiger | BUND und EuroNatur

Nachhaltigkeit bedeutet für die Arbeit im Naturschutz ständige Suche nach Konzepten für ein gutes Leben mit der Natur. Diese Konzepte sind äußerst vielfältig, sie müssen den besonderen regionalen Bedingungen entsprechen und sie sind prinzipiell dezentral. In den daraus resultierenden Prozessen offenbart sich immer wieder kollektive Kreativität. Im Sinne einer nachhaltigen Regionalentwicklung findet Naturschutz auch durch Nutzung statt. Die Schönheit der Landschaft wird mit allen Sinnen erfahren und ist alltäglicher Antrieb für ihren Erhalt. Die wachstumsgeprägte, marktzentrierte Entwicklung heißt jedoch oft Raubbau an Ressourcen. Hier gegenzusteuern ist in den letzten Jahren Aufgabe von zivilgesellschaftlichen Organisationen geworden. Die Ideen und Forderungen des Fonds für Ästhetik und Nachhaltigkeit zeigen dafür Wege auf. Kunst ermöglicht neue Sichtweisen, weil dadurch Dinge in einen anderen Kontext gestellt werden. Aus diesem Grund sind wir gespannt auf die Projekte des Fonds für Ästhetik und Nachhaltigkeit und sehen viele Schnittstellen insbesondere für eine internationale Zusammenarbeit.


Prof. Dr. Peter Adolphi | Geschäftsführer Akademie für nachhaltige Entwicklung | ANE, MV

Solch ein Fonds ist überfällig! Der Nachhaltigkeitsdiskurs befindet sich in einer Sackgasse. Das rührt zum einen aus nach wie vor vorwiegend disziplinären Antworten auf komplexe Fragen, die folglich weder die innewohnende Unsicherheit noch die Ambivalenz hinreichend spiegeln. Zum anderen führt die kulturell verankerte Praxis der Kompromissfindung zu immer weiter steigendem Ressourcenverbrauch. Es ist also von zentraler Bedeutung, unsere gesellschaftliche Fragestellung so zu verändern, dass Antworten außerhalb der Sackgassen gefunden und auch gesellschaftlich akzeptiert werden können. Hierfür ist Nähe unerlässlich – Nähe zwischen individuell Erlebbarem und als abstrakt empfundener Gefahr. Solche Nähe erfordert eine umfassende Sensibilisierung. Die weitere Steigerung der allein wissensbasierten Szenarien scheint das Gegenteil davon zu bewirken, forciert eher die Flucht in die Trivialisierung. Insofern sehen wir FÄN als geeignetes und zugleich wichtiges Instrument an, ein verbessertes Zusammenwirken von künstlerischen und wissenschaftlichen Sichten zu ermöglichen, um damit unser Bild von Nachhaltigkeit zu schärfen und gleichzeitig sehr viel mehr Menschen für diesen Anspruch zu gewinnen. Mit seiner Hilfe kann es gelingen, die gebotene Ungeduld mit Empathie-getragener Ausdauer und Zuversicht zu verknüpfen, um hieraus tatsächlich Nachhaltiges zu erzeugen. In diesem Sinne möchte ich mich für Ihre Initiative bedanken und sichere Ihnen unsere Unterstützung zu.


Dr. Maja Göpel | Wuppertal Institut Head Berlin Office Lead Transformative Literacy

Über 40 Jahre lief der Streit, ob wir nun Grenzen des Wachstums erleben werden oder nicht. Vertreter dieser Meinung wurden zu detaillierter Beweisführung angehalten und daraufhin wurde ihnen häufig Alarmismus oder Fortschrittszweifel vorgeworfen. Lösungen für mehr Wohl-stand bei weniger Ressourcenverbrauch wurden primär innerhalb der Pfadabhängigkeiten des ökonomisch-technokratischen Paradigmas der Moderne gedacht und umgesetzt. Heute sind wir an dem Punkt, an dem die Hegemonie dieses Paradigmas in eindrucksvoller Weise implodiert und nicht nur die Prognosen der Computermodelle, sondern auch die direkte Wahrnehmung der Menschen in breiten Teilen der Gesellschaft ein "Weiter So" ignorant oder verzweifelt wirken lassen. An den primär populistischen Reaktionen auf diesen Vertrauensverlust bemerken wir nun schmerzlich, dass der Streit auf Ebene der Beweisführung so viel Energie gebunden hat, dass wenig dafür übrig war, den Imaginationsraum der möglichen Zukünfte über die Pfadabhängig-keiten hinaus aufzuspannen. Außerhalb der Box denken sollte dennoch zu Innovationen für die Box führen. Heute ist vielen klar: wir müssen die Box ändern. Ein formidabler Suchprozess, in dem Ästhetik einen Raum jenseits relativer Zahlen und konnotierter Worte bietet und damit Formen der (Rück)Besinnung und Verständnis ermöglicht, die Loslassen nicht nur als Bedrohung sondern auch als Befreiung erforschbar machen.


Adolf Kloke-Lesch | Sustainable Development Solutions Network Germany | SDSN Germany

Nachhaltigkeit kann immer nur nachhaltige Entwicklung sein, auf Zukunft gerichtete Bewegung und Begegnung der Einzelnen wie der Gesellschaften in der Welt: Sehnsüchtig zweifelnd, Grenzen erfahrend handelnd. Kaum vorstellbar, dass dies ohne eine Ästhetik nachhaltiger Entwicklung gelingen könnte. Eine Ästhetik, in der sich die Vielen lebendig und lebensfroh, demokratisch und streitend ausdrücken und erkennen. Eine Ästhetik, in der sich Gesellschaft, Wissenschaft und Politik und die Grenzen unseres Planeten begegnen. Ich würde mich sehr freuen, wenn ein Fonds Ästhetik und Nachhaltigkeit hierfür bald Räume, Möglichkeiten und Vernetzungen schaffen könnte.


Bernadette La Hengst | Musikerin und Theatermacherin | Berlin

Aus meiner Sicht ist der Begriff der Nachhaltigkeit in der Kunst zu einem abgenutzten Genre Begriff verkommen, dessen Bedeutung und reale Umsetzung kaum noch eine wesentliche Rolle spielt. Jedes deutsche Theater hat mittlerweile partizipative Projekte im Spielplan, die sich auf die Fahne schreiben, nachhaltig zu wirken. Doch der Leistungsdruck der Theater, solche Projekte wie am Fließband zu produzieren, um auf der Höhe der Zeit zu bleiben, sorgt dafür, daß sie meist nicht nachhaltig wirken, weil sich niemand langfristig darum kümmern kann. Genauso geht es den freischaffenden KünstlerInnen, die in ständig wechselnden temporären Projekten (über)leben, anstatt sich langfristig mit einem Thema zu beschäftigen und in die Tiefe zu gehen. Ich unterstütze daher sehr Adrienne Goehlers Idee, einen Fonds für Ästhetik und Nachhaltigkeit zu gründen für eine Förderstruktur, die die Kunst aus den Projekten zurück ins Leben holt. Nur so kann Kunst und Kultur zu gesellschaftlicher Veränderung führen, die nachhaltig wirkt.
"Dies ist kein Projekt – dies ist mein Leben" (Zitat aus dem Song "Kein Projekt" von Bernadette La Hengst)


Nick Nuttall | Spokesperson and Director of Communications and Outreach | UN Framework Convention on Climate Change | Bonn

After 15 years as a communications specialist in the United Nations system, it has been increasingly clear that catalyzing, galvanizing and indeed exciting the public on the challenges and opportunities of transformational change requires providing multiple perspectives. Issues like climate change and sustainable development generally are complex, abstract for many and often involve actions and efforts over time-scales that can seem far away and remote for many citizens. Yet they go to the heart of how soon over 10 billion people will survive, let alone thrive, on planet Earth and will require political and social choices with profound consequences for almost everyone alive today and generations to come. Many leaders, from the world of politics to business and campaigners to city-leaders, can all too often fall into the trap of simplifying concepts, the actions required and the longevity involved. In doing so they can run the risk of—at worst—popping sustainability into a box marked fashion or fad, or leaving the public disillusioned and cynical over the true course to take: especially if results seem wanting and change comes slowly. For some, the science is enough and for others the economics: but for many people greater awareness, understanding and de-mystifying is a matter of urgency if the needed, multidecadal efforts by all countries and communities are to stand the test of time. This is where the arts and aesthetics—in all their multiple and rich forms—can play a critical role by shifting perspectives; straddling cultures and bringing meaning to individuals in enlightening and liberating ways. I have witnessed this at first hand through the work of photographers like Jean Artois-Bertrand and projects like the Save the World festival of Theatre Bonn where UN bureaucrats have worked with musicians and poets to projection artists and humorists. It is not just the public who benefit but also the artists and the bureaucrats who can gain new and surprisingly unique perspectives of their work within society. Thus I applaud the aims and ambitions of Adrienne Goehler’s "FONDS ÄSTHETHIK UND NACHHALTIGKEIT" with its goal of mainstreaming arts and aesthetics across the political landscape essentially placing them in the centre rather than on the fringe of human affairs. Through the Paris Climate Change Agreement and the Sustainable Development Goals, governments across the globe have outlined the pathways and the destination for a more prosperous, fairer, securer world. It will require a profound change in human affairs and the way humanity understands wealth and its relationship with the natural and constructed world and with one another—it will require new ideas of living and playing. Arts and aesthetics, that reach and speak to all tiers of our diverse societies and whose role is supported and celebrated by all political leanings, will be crucial for empowering each and every one to share in this vision, understand the imperative and hopefully play and active and crucial role. It would seem a sensible and prudent investment in catalyzing positive societal change now and into the future.


Dr. Norbert Sievers, Dr. Oliver Scheytt | Kulturpolitische Gesellschaft

Die ästhetische Dimension der Nachhaltigkeit stärken. Mehr Förderung tut Not.
Nachhaltigkeit steht für ein neues Fortschrittsverständnis. Es ist bald ein Vierteljahrhundert her, seitdem der "UN-Gipfel für Umwelt und Entwicklung" in Rio de Janeiro diesen Begriff als Synonym für die Zukunftsfähigkeit unserer Welt deklariert hat. Es ging dabei um intergenerationelle und internationale Gerechtigkeit, nicht zuletzt im Nord-Süd-Verhältnis, und um die grundlegende Infragestellung überkommener Werte und Gewohnheiten in allen Bereichen des gesellschaftlichen und persönlichen Lebens. Gefordert wurde eine Kultur der Nachhaltigkeit. 
Auch die kulturpolitische Diskussion hatte damals einen umweltpolitischen Bezug. Erinnert sei an die "Bausteine für eine kommunikativ und ökologische orientierte Kulturpolitik" des Instituts für Landes- und Stadtentwicklung des Landes Nordrhein-Westfalen und der Kulturpolitischen Gesellschaft aus dem Jahr 1990. Darin wird eine Neubestimmung des Verhältnisses von Kunst und Natur gefordert und die Kulturpolitik aufgerufen, Perspektiven für eine "ökologische Stadtkultur" zu entwickeln. Ausgehend von dieser Positionsbestimmung wurde dann im Grundsatzprogramm der Kulturpolitischen Gesellschaft von 1998 von der Kulturpolitik eingefordert, "die Frage einer ökologisch verantwortlichen Lebensweise zu thematisieren und Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und Verlangsamung zu Leitlinien kulturpolitischen Handelns zu machen."  
Seither haben diese Erkenntnisse in der praktischen Kulturpolitik kaum Fuß fassen können, obwohl die Debatte um die ästhetische Dimension der Nachhaltigkeit weiter gegangen ist und obwohl gegenwärtig nicht nur WissenschaftlerInnen, KünstlerInnen und PolitikerInnen klar geworden ist, dass die Frage, wie wir im 21. Jahrhundert leben wollen, auch eine existentielle kulturelle Frage ist. Um sie klarer fassen und Bilder neuer Lebensweisen entwerfen zu können, brauchen wir das Potenzial der Künste und wir brauchen konkrete Beispiele und Bilder ökologisch verantwortlicher Praxis jenseits von Ressourcenvernetzung und Wachstumszwang. Ein Fonds für Ästhetik und Nachhaltigkeit kann dabei behilflich sein, dass diese kulturellen Gegen- und Vorbilder entstehen, ein neues Bewusstsein schaffen und so Zukunftsfähigkeit unseres Gemeinwesens und unserer Welt beitragen.


Prof. Saskia Hebert |  Dr.-Ing. Architektur | subsolar* architektur & stadtforschung | Transformation Design

Wir in unseren westlichen Wohlstandsgesellschaften sind von einer nachhaltigen Wirtschafts- und Lebensweise gegenwärtig so weit entfernt, dass es irrsinnig dumm wäre, nicht alle verfügbaren Kräfte zu bündeln, die dem etwas entgegenzusetzen haben. Künstlerinnen und Künstler sind genau wie Designerinnen und Designer dazu in der Lage, komplexe Situationen zu erfassen, zu nutzen und daraus ästhetische, das heißt: mit allen Sinnen erfahrbare Möglichkeitsräume zu entwickeln. Erfahrbarkeit wiederum ist eins der größten Desiderate des gegenwärtigen Nachhaltigkeitsdiskurses, der sich für die Mehrheit der Menschen immer noch als eine abstrakte und lebensferne Debatte darstellt, der sie persönlich "nichts angeht".
Aus der Sicht des Transformation Design, das sich mit der Frage nach einer Gestaltbarkeit gesellschaftlicher Prozesse im Rahmen der vom WBGU geforderten "Großen Transformation" auseinandersetzt, sind die gerechtere Verteilung und Erhaltung unser aller Lebensgrundlagen im Gegensatz zu Reichtumsvermehrung und Vorteilsnahme nicht "nice to have" sondern essenziell. Der Beitrag der Künste zu dieser Frage ist nicht dekorativ sondern substanziell. Beide Bereiche dauerhaft und produktiv miteinander zu verbinden, etwa über den von Adrienne Goehler geforderten Fonds für Ästhetik und Nachhaltigkeit, ist daher eine irrsinnig schlaue Idee.


Lena Johanna Reisner | freie Kuratorin und Projektmanagerin

In der bildenden Kunst werden bereits seit einiger Zeit mit großem Interesse wie mit hohem kreativen und intellektuellen Aufwand ökologische Themenstellungen verhandelt. Unter dem Stichwort Nachhaltigkeit könnten solche Bemühungen noch stärker auf eine Frage nach konkreten Kulturtechniken und Lösungsansätzen zugespitzt werden. Wegen ihrer Offenheit und ihrem Status als einer Disziplin zwischen den Disziplinen zeichnen sich die Künste darüber hinaus dadurch aus, dass sie andere Wissenschaften und Gestaltungsformen zu einem gemeinsamen Prozess einladen können. Kulturschaffende und Kulturinstitutionen haben einige Erfahrung darin, Öffentlichkeit herzustellen. Mit einer Ausstellungs- und Aufführungspraxis, durch Publikationen, Symposien und einer vielgestaltigen Vermittlungsarbeit kann ein diverses, diskursiv und ästhetisch aufgeschlossenes Publikum angesprochen und aufgebaut werden.
Austausch, kollektive Forschung, kulturelle Bildungs- und Entwicklungsprozesse sollten genau auf dieser Ebene ansetzen und im Zusammenarbeit mit einer Mehrzahl an Fachbereichen geschehen, wenn sie wirksam sein sollen. In einer Demokratie ist die wichtigste Lobby für Kulturtechniken und eine Veränderung, die ökologische Nachhaltigkeit in den Vordergrund stellt, die Bevölkerung selbst, derer auch Akteurinnen und Akteure aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur ein Teil sind. Deswegen ist es so wichtig, offene Strukturen zu schaffen, Austausch über disziplinäre Grenzen hinweg zu ermöglichen, Sinnlichkeit und Spontaneität einzuladen und zugleich die Entstehung produktiver Netzwerke zu begünstigen. Bürgerinnen und Bürger werden in der Wirtschaft gerne als Konsumentinnen und Konsumenten beschrieben, die aber ihre Wertvor-stellungen selber bestimmen können, die jederzeit Initiative ergreifen und Produzentinnen und Produzenten werden können. Die Veränderung, die wirklich notwendig ist, um als Spezies auf diesem Planeten langfristig ökologisch nachhaltig und ethisch ästhetisch zu leben, betreffen weit mehr als nur Technologie, Wirtschaft und Politik; und selbst diese verändern sich nicht ohne die Gesellschaft, der sie dienen.
Um eine Plattform und Situationen für einen Austausch dieser Art zu schaffen, braucht es einen Fonds Ästhetik und Nachhaltigkeit, der kontinuierlich wirkt und kurz-, mittel- und langfristig Möglichkeitsräume schafft wie Programme gestaltet die sich einem für unsere heutige Zeit so wichtigem Thema widmen.


Elisabeth Schwäger | Künstlerische Direktorin | Geschäftsführerin der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg

In Zeiten wo alles in Sturheit und Nabelschau zu versinken droht, scheint es mir immer wichtiger, die Verantwortung der Menschen füreinander und für die Welt, in der er lebt, ins Zentrum unseres Denkens und Handelns zu stellen. Kunst ist eine tragende Säule der Gesellschaft, sie vermittelt ganz im Sinne des griechischen Begriffes von aesthesis - wahrnehmen und erkennen - den Blick in die Abgründe und in die Höhen menschlichen und gesellschaftlichen Tuns. Sie kann Fragen stellen und Visionen entwickeln und damit nachhaltig unsere Sinne schärfen. Dies zu nutzen ist nicht nur sinnvoll sondern überlebens wichtig: um weiter an der Zukunft einer zivilen und humanen Gesellschaft zu bauen, um deren Fundamente so zu sichern, das Neues darauf aufbauen kann, um Irrwege, wie wir sie immer wieder begehen, schneller in die der Menschenwürde gerechte Bahnen zu lenken. Der vielstrapazierte Begriff der Nachhaltigkeit ist dem künstlerischen Schaffen immanent. Insofern scheint mir die Gründung eines Fonds zu "Ästhetik und Nachhaltigkeit" wie selbst-verständlich und könnte das richtige Instrument sein, in einer Zeit, wo die Menschheit droht zu vergessen, welch wertvolles Gut sie verantwortlich und fürsorglich zu pflegen hat.


Prof. Dr. Reinhold Leinfelder | AG Geobiologe und Anthropozänforschung, FU Berlin | Exzellenzcluster Bild Wissen Gestaltung, HU | ehem. Gründungsdirektor des Haus der Zukunft | Futurium Berlin

Unser täglicher Zugang zu dieser Welt läuft multimodal ab: Wissen, Emotionen, Erfahrungen, Ängste, Hoffnungen werden nur zum Teil über Texte (Zeitungen, Bücher, wissenschaftliche Artikel), vor allem aber über audiovisuelle Zugänge aufgenommen bzw. generiert. Non-lineare, multimodale ästhetische Zugänge, wie Ausstellungen und andere vielfältige Kunstformen bis hin zu Wissenscomics stimulieren dabei nachweisbar Reflexion und Diskurs zu Wissen und Emotionen, indem sie komplexes Denken, Visionsvermögen und im besten Falle auch eine
Verbesserung der Urteilskraft einüben und damit unterstützen. In den Zeiten des Anthropozäns sollte Nachhaltigkeit mit neuen Narrativen und neuen Konzepten gedacht werden. Um vom heutigen konsum- und profitbasierten parasitären zu einem symbiotischen Verhalten der Menschen im Erdsystem zu kommen, ist es notwendig diese unsere Welt
als das zu begreifen, was sie ist: eine Stiftung, von dessen Überschusserträgen die Menschheit gut, fair und generationengerecht leben kann, sofern sie das Stiftungskapital dabei unberührt lässt. Um eine anthropozäne Welt in diesem Sinne nachhaltig zu machen, muss diese Welt gleicher-maßen ästhetisch sein, also so gestaltet werden, dass wir sie lieben können, gerne in und mit ihr leben und sie als unsere gemeinsame Heimat erkennen. Was könnte den Weg dorthin besser unterstützen, als eine Stiftung zur Ästhetik und Nachhaltigkeit, in der sich die Wissenschaften der Kunst und Ästhetik nicht nur als Vermittlungswerkzeug bedienen und sich umgekehrt die Künste nicht nur als Mahner, Katastrophenvisualisierer und ggf. auch Wissenschaftskritiker verstehen, sondern tatsächlich gemeinsam, also nicht nur multidisziplinär, sondern inter- und transdisziplinär zusammenarbeiten. Wissenschaften, Kunst und Zivilgesellschaft können so verschiedene transformative Wege in ein ästhetisches und nachhaltiges Anthropozän konzipieren, diskutieren, visualisieren und auch exemplarisch ausprobieren, damit wir zunehmend verinnerlichen, mit dieser Welt achtsam umzugehen. 


Rebecca Raue Künstlerin | Berlin

"Wir haben die Erde nicht von unseren Vorfahren geerbt, wir haben sie von unseren Kindern ge-liehen", wussten die Indianer. Wir haben das längst vergessen. Es ist dringend an der Zeit eine neue Verbindung mit der Erde, ihren Lebensräumen und Ressour-cen zu etablieren. Wir müssen die Grenzen des als möglich Erachteten überschreiten und Formen finden, die Freude machen und gleichzeitig sinnhaftig sind. Die Macht der Schönheit ist dabei nicht zu unterschätzen. Es ist notwendig genau dort zu forschen und zu arbeiten, wo das Coole und Attraktive, das Neue, Wilde und Beflügelnde zusammentrifft mit dem Fürsorglichen, Liebevollen und Nachhaltigen. Wie schaffen wir das? Wie können wir Menschen ermutigen achtsam zu sein, mit sich und ihrer Umwelt? Wie können wir die Schönheit, die in Nachhaltigkeit liegt, vermitteln? Wie können wir dem "Geiz ist Geil" den Reiz nehmen? Es geht um verantwortliches Handeln jedes einzelnen. Das Ökologische braucht Sexappeal. Es muss von offizieller Stelle Geld fließen zu Menschen, die sich mit Freiheit, ästhetischem Knowhow und dem Mut zur Vision genau diesen Fragen widmen. Dafür steht der Fonds Ästhetik und Nachhaltigkeit. Den brauchen wir – jetzt!


Olafur Eliasson Künstler | Berlin | Kopenhagen

In recent years we’ve seen a surge in populism and fear in response to globalisation and to global challenges such as climate change and forced migration. As an artist, I believe that culture and the arts can be a great antidote to the closing-down of our societies and minds in the face of such challenges. The arts allow spaces to emerge in which people can disagree and still be together, where they can share individual and collective experiences, and, in the process, form diverse communities based on inclusion rather than exclusion. Difference and conflicts in art are essential, productive ingredients. Art does not tell us what to do or how to feel; it rather empowers us to find out for ourselves, together and individually. In the best cases, it can even become an exercise in democracy, inspiring trust in ourselves and in society. As such, culture is a powerful way to inspire solidarity and community – a global we. This is why I believe that the Fonds Ästhetik und Nachhaltigkeit initiative could not be more urgent today.


Prof. Dr. Rudolf zur Lippe Philosophie der Lebensformen | Künstler | plurale Ökonomie

Wahrnehmung ist, was die Menschen aus Begegnungen mitnehmen und für weitere ausbilden. Aisthesis fasst die Bedeutungen des Wahrnehmens, des Empfindens und eines, freilich nicht kognitiven, Bewusstseins zusammen: Sinnenbewusstsein. Die Lebensformen der Menschheit brauchen die ganze Vielfalt möglichen Wissens, um weiter in den Möglichkeiten und Bedingungen der Evolution zu existieren, die eben auch im Gesamt der menschlichen Vermögen ihr Gelingen von Milliarden Jahren immer neu zur Verfügung stellt. Seit das Wahrnehmen aus Alltag und Arbeit immer systematischer dem »outsourcing« unterworfen wird, sind die Künste gesellschaftlich dessen Sachwalterinnen. Um das "Zusammenwirken aller Kräfte" (Alexander v. Humboldt) zu erkennen und um den Menschen und Dingen uns gegenüber begegnen zu können, ist unsere lebendige Wahrnehmung unersetzlich. Nur gemeinsam können die Künste und die Wissenschaften die Lebensgrundlagen für die hochkomplexe moderne Welt entwickeln und unsere Fähigkeiten dafür bestimmen, schützen, entfalten, prüfen. Daran zu forschen, erfordert nicht additive Interdisziplinarität, sondern Schritt für Schritt auf einander reagierende Arbeit von Künstlerinnen und Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftlern und Künstlern. Diese Prozesse gelten immer noch als viel zu aufwendig. Sie so ernst zu nehmen, wie unser Leben es erfordert, verlangt Ausdauer und Konzentration und Erprobung. Diese brauchen eine Agentur, die Wegweisendes ausspäht und zusammenbringt und in die Gesellschaft einführt. Ein Fonds Ästhetik und Nachhaltigkeit könnte dieses Labor bilden.
Diesem wünscht man ein kluges Entscheidungsgremium, das nicht Kompromisse zwischen den Disziplinen aushandelt, sondern von den Erfahrungen dessen ausgeht, woran es uns mangelt.


Davide Brocchi Soziologe und Transformationsmanager | Initiator des "Tags des guten Lebens" in Köln

Heute leben wir in einer Zeit der "multiplen Krise" [Ulrich Brand]: Klimakrise, Finanzkrise, Krise der Demokratie, Flüchtlingskrise… Und das Konzept der Nachhaltigkeit ist ursprünglich ein "Kind der Krise" [Günther Bachmann]. Nachhaltigkeit bedeutet zuerst die Kompetenz, Krisen handzuhaben, vorzubeugen oder erfolgreich zu überwinden - die Krisen als Chance zu nutzen. In diesem Sinne ist Nachhaltigkeit ein Synonym von Resilienz, das heißt von Krisenresistenz und Widerstandsfähigkeit.
Welche Rolle kann dabei die Ästhetik spielen? Der Begriff kommt aus dem altgriechischen aísthēsis, das "Wahrnehmung", "Empfindung" bedeutet. Der Philosoph Wolfgang Welsch setzt diesem Begriff jenen der "Anästhetik" entgegen, der nicht zufällig wie Anästhesie klingt: Dabei wird die sinnliche Wahrnehmung abgeschaltet und die Empfindsamkeit gegenüber der Umwelt geht verloren, unter anderem um sich vor der Erfahrung des "Schmerzes" zu schützen. Wir können Krisen als Ergebnis eines gesellschaftlichen "anästhetischen Zustandes" verstehen: Wenn wir unsere ökologische, soziale und innere "Umwelt" nicht mehr wahrnehmen, weil wir zum Beispiel wie Autisten an mathematischen Wirtschaftsmodellen und Dogmen wie Wirtschaftswachstum festhalten, an alten Überzeugen, Privilegien und Gewohnheiten, dann kommt es zur Krise. Nicht nur die freie Kunst, sondern auch eine freie kritische Presse und eine kritische Wissenschaft sind mit einem gesellschaftlichen Sinnenorgan vergleichbar. Sie helfen uns, den Kontakt zur "Wirklichkeit" aufrechtzuerhalten und damit schwere Krisen vorzubeugen. Gerade in solchen Zeiten brauchen wir deshalb ein Fonds Ästhetik und Nachhaltigkeit: Um gesunde gesellschaftliche Sinnorgane zu fördern, die die sichtbare wie unsichtbare Mauern der Wohlstandsinseln durchlöchern und unsere Wahrnehmungshorizonten erweitern. Je breiter die Wahrnehmungshorizonten sind, desto nachhaltiger die Entscheidungen einer Gesellschaft.


Andreas Rost Fotograf und Kurator

Einen Fonds für Ästhetik und Nachhaltigkeit aufzubauen, ist ein wichtiger Beitrag für die Gestaltung unserer gesellschaftlichen Zukunft. In Europa, so scheint es mir, verliert das Gespräch über Nachhaltigkeit als Austausch von vorformulierten Floskeln an Überzeugungskraft und durch aktuelle politische Entwicklungen wird es an den Rand des gesellschaftlichen Interesses gedrängt. In Lateinamerika hingegen konnte ich bei meinen Recherchen zu dem Ausstellungsprojekt "Vivir Bien – das gute Leben" für das Goethe-Institut erleben, wie die Kooperation von örtlichen Bevölkerungsgruppen mit Ökono-m*innen, Künstler*innen, Wissenschaftler*innen und Architekt*innen zu substanziellen Verbesserungen ihrer Lebenssituation in Slums oder industriellen Randlagen führt. Anfangs dachten einige linkspopulistische Regierungen, sie könnten die Idee des "Vivir Bien" als eine Ideologie zur Sicherung ihrer Macht nutzen. Doch schnell zeigte sich, dass das Konzept aus indigenem Wissen, ökologischem Verantwortungsbewusstsein und ästhetischem Gestal-tungswillen eine Eigendynamik bekam, die auch politischen Machtwillen unterlaufen kann, weil die nicht sichtbaren Gravitationswechselwirkungskräfte, wie indigenes Wissen, Ästhetik und Gemeinschaftsgefühl, stärker sind. Die letzte Architekturbiennale 2016 in Venedig, unter Leitung des Pritzker Preis Gewinners, Alejandro Aravena aus Chile, verdeutlichte eindrucksvoll welche gewaltige utopische Kraft im Zusammenklang von Ästhetik und Nachhaltigkeit liegt.


Heike Catherina Mertens Vorstand Kultur Schering Stiftung

Wenn wir Alexander Gottlieb Baumgartens Definition von Ästhetik als "Wissenschaft der sinnlichen Erkenntnis" zugrunde legen, dann muss doch für jeden sonnenklar sein, dass ein Fonds für Ästhetik und Nachhaltigkeit längst überfällig ist. Künstler_innen sind die Experten sinnlicher Wahrnehmungen. Sie reflektieren, erforschen und hinterfragen das Unsichtbare hinter dem Sichtbaren und tragen so wesentlich zur Erkenntnis unserer Welt bei. Die Zivilgesellschaft hat dieses Potential längst erkannt und arbeitet gemeinsam mit Künstler_innen an nachhaltigen Lösungen für die komplexen Aufgaben unserer Gesellschaft. Die Politik sollte dem Beispiel der Zivilgesellschaft folgen und die Ästhetik-Experten mit an Bord holen. Die Einrichtung eines Fonds für Ästhetik und Nachhaltigkeit wäre ein erster Schritt.


Andrea Tietz Mitinitiatorin & Programm SAVE THE WORLD

Ein Fond für Ästhetik ist genau, dass was Kunst und Wissenschaft brauchen, um neue und nachhaltige Formate der Wissenschaftskommunikation zu den globalen Herausforderungen aus der Taufe heben zu können und so komplexe Inhalte für eine breite Öffentlichkeit zugänglich zu machen.


Nicola Bramkamp Schauspieldirektorin Theater Bonn | Mitinitiatorin von SAVE THE WORLD

Der Klimawandel stellt die Welt vor die wohl größte KREATIVE Herausforderung, die die Menschheit in den nächsten Jahren bewältigen muss, um weiter auf dem Planeten Erde überleben zu können. Um uns den globalen Zukunftsfragen zu stellen und nachhaltige Lösungen anzuregen, haben wir das theatrale Weltrettungsformat SAVE THE WORLD entwickelt. Wir bringen Künstler aller Sparten und Experten in einen Dialog, um komplexe Inhalte für eine breite Öffentlichkeit erfahrbar zu machen. Wo Kunst und Wissenschaft aufeinander treffen, entstehen innovative Denk- und Aktionsräume für eine nachhaltige Zukunft. Prof. Dirk Messner vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik hat es bei einem Treffen auf den Punkt gebracht: "Referiert man vor Politikern und Fachleuten", das Klimawandeln und Urbanisierungsdynamik ein nachhaltiges Denken über Co2 neutrale Städte erfordert, führt dies zu einem routinierten Expertenaustausch, hält man den selben Vortrag vor Architekten, wird Nachhaltigkeit in Städten plötzlich zu einer spannenden, kreativen Aufgabe: Unsere Städte müssen neu erdacht werden. Was für eine Chance!. SAVE THE WORLD geht in die vierte Runde. Wir glauben fest, an die Alliance zwischen Kunst und Wissenschaft und dem gemeinsamen Potential nachhaltige Vermittlungsformate zu initiieren. Wie wir aus eigener Erfahrung wissen, ist die Akquise von Fördermitteln für Projekte an der Schnittstelle zu Kunst und Wissenschaft jedoch unglaublich schwer. Für die einen Gremien zu theatral und künstlerisch, für die anderen Gremien zu wissenschaftlich. Ein Fonds für Nachhaltigkeit würde genau diese Lücke schließen.


Deutsches Komitee für Nachhaltigkeitsforschung in Future Earth

Globale Nachhaltigkeit ist ein großes Ziel, das ein Umdenken in vielen Bereichen erfordert. Wissenschaft und Kunst waren nie wirklich getrennt. Sie sind zusammen mit der Literatur Teil unserer Kultur, ergänzen sich gegenseitig und könnten durch die Vielzahl der die Gesellschaft betreffenden Fragen im Kontext der globalen Nachhaltigkeit wieder stärker zusammenfinden – zur Schaffung von Aufmerksamkeit, zur Reflexion, für ein Umdenken.
Die Ziele des Fonds für Ästhetik und Nachhaltigkeit stehen in engem Zusammenhang mit den Zielen des Deutschen Komitees für Nachhaltigkeitsforschung in Future Earth. Forschung im Kontext der globalen Nachhaltigkeit bedeutet: Kooperation zwischen Forschungsorganisationen um Ressourcen effizient einzusetzen, Unterstützung der fächerübergreifenden Forschung (im Dialog mit der Gesellschaft) um mögliche Entwicklungspfade besser zu verstehen,
und Internationalisierung, da wir alle auch in den kleinsten Dingen häufig global Handeln – meist unbewusst. Die Kunst als Medium für neue Perspektiven zur Stärkung des Bewusstseins über Herausforderungen national und international, zur Reflexion menschlichen Handelns und für den Ausdruck möglicher Zukünfte ist daher ein spannender Partner der Wissenschaft. Insbesondere mit dem Anspruch ein Umdenken in der Gesellschaft zu bewirken, da ein
"weiter wie bisher" nicht im Sinne der globalen Nachhaltigkeit ist. Erste Beispiele diese Verbindung zu stärken finden sich bereits in Aktivitäten zum Thema "Anthropozän", in Kooperationen mit Kunsthochschulen in Verbundforschungsprojekten (z.B. "Future Ocean", IRI THESys), in Projekten wie WissensARTen oder auch im Rahmen von "Future Earth", das verstärkt auf Visualisierung setzt. Auch das "mitmachen" der Zivilgesellschaft findet immer mehr Zuspruch in der Wissenschaft (z.B. "Citizen Science Strategie Deutschland").
Die Schaffung des Fonds für Ästhetik und Nachhaltigkeit möchten wir unterstützen, da der Erfolg der SDGs nicht allein durch Erkenntnisgewinn zu erreichen sein wird, sondern die Gesellschaft einen maßgeblichen Beitrag leisten muss. Die engere Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Kunst
liegt daher auf der Hand.


Dr. Christian Esch | Direktor NRW KULTURsekretariat |Wuppertal

Nachdem er über Jahre in aller Munde war, erscheint der hochmögende Begriff "Nachhaltigkeit" inzwischen einigermaßen verbraucht und seiner Relevanz teilweise beraubt. Anders herum: So selten Programme und Projekte vom Anspruch verschont bleiben, nachhaltig doch immerhin zu wirken, so bedeutsam und zukunftsträchtig wäre die Besinnung auf eine gehaltvolle, nachhaltige Praxis, jenseits von Begriffskosmetik. Und schon sind wir bei der Kunst: Denn was wäre gehaltvoller und nachhaltiger als sie? "Ars longa, vita brevis" hieß es lange vor dem neueren Wording. Mit ziemlich anderen, heutigen Worten: Kunst und ihre Produktion durchdringen und spiegeln die Veränderungen der Lebenswirklichkeit in einem dauerhaften, ästhetisch geprägten Prozess. Im Dialog und per Interaktion, analog und digital, befragen Kunst und Ästhetik die Kulturgesellschaft auf ihre Weise, nämlich "befreit von der Lüge, Wahrheit zu sein" (Adorno). Das wäre Nachhaltigkeit im Wandel: Die in künstlerischer und ästhetischer Produktion entwickelte, immer neue Verständigung im permanenten Widerspruch. Auf diese Weise würde der Fonds im interdisziplinären Dialog der Förderung dieses Prozesses dienen wie auch der Zuwiderhandlung gegen den in die Krise gewucherten Wachstumsanspruch auf der Basis ästhetischer und künstlerischer Mittel. Sollte es am Ende so gelingen, auch zur Verringerung der Kluft zwischen Wert und Mehrwert beizutragen?














Stimmen für einen Fonds Ästhetik und Nachhaltigkeit als Forderung an Bundesregierung und Bundestag u.a. von Prof. Dr. Klaus Töpfer, Prof. Dr. Gesine Schwan, Prof. Dr. Patrizia Nanz, Olafur Eliasson, Dr. Wilhelm Krull, Dr. Michael Otto und Amelie Deuflhard.

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ZNE! in Chile

Die international ausgezeichnete und weltweit tourende Ausstellung "zur nachahmung empfohlen! expeditionen in ästhetik und nachhaltigkeit", kuratiert von Adrienne Goehler, Senatorin für Kultur in Berlin a.D., wird mit Unterstützung der Heinrich Böll Stiftung Chile, dem Institute for Advanced Sustainability Studies in Potsdam in Postdam und dem Goethe Institute Chile von Juni bis August 2017 im Parque Cultural de Valparaiso in Chile zusammen mit dem transdiziplinären Dialog Programm "Mundos Sostenibles" zum 16. Mal gezeigt. "zur nachahmung empfohlen!" wurde u.A. in Beijing, Mumbai, Addis Ababa, Sao Paulo und Lima gezeigt.

Das Projekt wird von dem namenhaften chilenischen Kurator Rodolfo Andaur ko-kuratiert. Zu den 56 internationalen Künstler*innen kommen die chilenischen Künstlerinnen Aninat-Swinburn, Natascha de Cortinas, Vania Caro Melo, Claudia Müller, Gisela Munita, und Alejandra Prieto hinzu.

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